Die Stadt die niemlas schläft- ich hatte viel mehr das Gefühl, dass das einzige was in dieser Stadt niemals schlief, ich war. Morgens zu Starbucks sich die tägliche Dosis Koffein verabreichen, danach zur Freiheitsstatur, auf dem Weg dorthin noch schnell bei der Wall Street nach dem Rechten sehen, durch Little Italy zurückschlendern, in SoHo die Shopping gelüste stillen und danach zurück ins Hotel sich für den Abend frisch machen. Wenn noch Zeit blieb schnell zum Dinner einkehren, bevor man sich dann auf Rooftops oder in einer trendy bar ganz chlichéhaft zum Cosmopolitan oder wahlweise auch Dirty Martini traf und danach dann die Stadt in Clubs, oder auf Rooftops mit Jacuzzis unsicher machte. Um 4 Uhr nachts völlig erschöpft zurück ins Hotel um am anderen Morgen das Ganze zu wiederholen. Wenn schon alle Clubs längst geschlossen hatten, selbst die Hot Dog und Pizza Buden ihren Rückzug verkündeten, sah man mich immer noch auf den Straßen NYs. NY schlief und ich wunderte mich warum ich es nicht einfach auch tat. Vielleicht weil ich jede Sekunde die ich in dieser Stadt hatte, auskosten anstatt verschlafen wollte. Schlaf ist ja schließlich ein schlechter Kaffeeersatz. Und mit diesem Motto im Hinterkopf waren wir im Starbucks um die Ecke bald keine unbekannten Gesichter mehr. Kein Wunder, dass ich eines morgens ganz erschöpft vollkommen überzeugt zu Tobi sagte: "Tobi, ist doch scheiß egal, wir sind in Vegas." Es war mein Ernst gewesen.
Das besondere an NY sind nich etwa der unbeschreibliche Central Park, der sich wie eine grüne Oase in mitten von Hochhäusern hervorhebt, oder die alten prunkvollen Gebäude wie die Grand Central Station mit ihrer indigoblauen Decke. Nein, es sind die Begegnungen die man mit wildfremden Menschen erlebt. Es sind Wall Street Trader, die sich zur Lunchzeit mit ihrem Anzug auf ihr Skateboard schwingen, in die Mittagspause rollen und für einen kurzen Moment die drohende Krise zu vergessen scheinen. Es sind schwarze mit Goldketten überhangene Musiker, die in der U-Bahn den Wagon unterhalten. Es ist das mexikanische Zimmermädchen, das seit 12 Jahren hier lebt und kein Wort Englisch spricht. Es ist der Barkeeper, der noch nie zuvor ein Huhn gesehen hatte. Ausgenommen das auf seinem Burger natürlich. Und es sind ihre Geschichten. Geschichten die die Stadt zum Leben erwecken.
Ein Taxifahrer erzählte mir, wie er eines Tages Shakira im Taxi sitzen hatte, aber sie nicht erkannte. Zufällig kam im Radio gerade ein Lied von ihr, zu dem er laut zu singen begann. Sie fragte ihn darauf "Magst du das Lied" und er sagte, ich liebe dieses Lied. Und sie entgegente "Weißt du wer es singt, ich habe es vergessen." "Natürlich weiss ich das. Shakira natürlich." Da fing sie so laut zu lachen an, dass der Taxifahrer sie das erstemal richtig anschaute und dann erkannte wer sie war.
Er redete sich so in Rage, dass er ausversehen in die falsche Richtung fuhr. Kein Problem. Er hatte für den Weg zurück noch genug Geschichten parat. Und am Ende stand das Taxometer auf O. Ich hatte kein Dollar für die Fahrt ausgegeben, war aber um einige Geschichten reicher. Das ist NY. Und NY ist auch, wenn man einen Bekannten hat, der die Angestellten im Empire State Building beim Namen kennt, einem an der Schlange vorbeiführt und man kostenlos auf der Rooftop Terrasse die Stadt bei Nacht bestaunen kann und das Fernweh wie nie gestillt wird.
Doch was wir auch lernen mussten war, dass wenn man auf dem Empire State Building steht, man das Empire State Building nicht sehen kann. So wie es eben im Leben mit allem ist.